1899 : Denkmalpflege

Die letzten Zeugnisse einer reichen mittelalterlichen Burgenkultur in der Eifel vor weiterem Verfall zu schützen, war dem Eifelverein seit seiner Gründung ein Hauptanliegen gewesen. Unter dem ersten Vorsitzenden, Adolf Dronke, wurden von Seiten des Eifelvereins erhebliche finanzielle Mittel aufgebracht, um die Burgen, die bereits zum Teil jahrhundertelang nur noch Ruinen waren und besonders seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts vielfach nur noch als Steinbrüche dienten, zu erhalten.


Unter Dronke gewährte der Eifelverein zu diesem Zweck Beihilfen für die Burgruinen Hartelstein (bei Schwirzheim), Kerpen, Blankenheim, Burgreuland, Reinhardstein (bei Malmedy) und Pyrmont. Für Blankenheim und Reinhardstein wurden unter General von Voigt erneut Mittel bereitgestellt, während unter dem Vorsitz Kaufmanns vor dem Ersten Weltkrieg Beihilfen zur Erhaltung der Burg Heimbach, des Monschauer Schlosses, des Burgturmes von Kyllburg und der Hillesheimer Stadtmauer gewährt wurden. Auch einzelne Ortsgruppen beteiligten sich mit großem Engagement in der Denkmalpflege, soz. B. die Ortsgruppe Malmedy, die für den Ankauf und die Instandsetzung der Burg Reinhardstein im Warchetal bis 1907 bereits 12 000 Mark ausgegeben hatte.


Dieser Zielsetzung entsprach der Erwerb der Burg Niedermanderscheid. Die ganz dem Verfall ausgesetzte Ruine hatte der damalige Eifelvereinsvorsitzende Karl von Voigt am 5. April 1899 für 1265 Mark ersteigert. Der Eifelverein übernahm am 16. März 1900 die Burg zusammen mit einem Areal von 1,71 Hektar. In den folgenden vier Jahren wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen, die zusammen mit dem Kaufpreis 7500 Mark betrugen. Dazu hatten die Provinzialverwaltung 4470 Mark und Kaiser Wilhelm 1000 Mark beigesteuert. 1914 aufgenommene Wiederherstellungsarbeiten mussten im folgenden Jahr wegen des Krieges eingestellt werden.


Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Eifelverein auf das Angebot des Besitzers der Oberburg Manderscheid, Graf von Brühl, hin beschlossen, auch diese Ruine zu erwerben. Die Kaufsumme von 1500 Mark war von Landgerichtsrat a. D. von Schnitzler zur Verfügung gestellt worden. Da auch hierbei wiederum hohe Renovierungskosten zu erwarten waren, hatte die Hauptversammlung den Kauf nur genehmigt unter der Voraussetzung, dass die Instandsetzungsarbeiten durch Dritte übernommen würden (Vorstandsbeschluß Koblenz 6. Juni 1914). Der Erste Weltkrieg zerschlug jedoch alle Hoffnungen, und nach Kriegsende konnte der Verein keine eigenen finanziellen Mittel dafür aufbringen (Vorstandssitzung Neuss 7. November 1920). Schließlich übernahm die Gemeinde Manderscheid die Oberburg, wodurch die Erhaltung gesichert war.


Die dringend notwendigen Instandsetzungsarbeiten an der Niederburg verhinderte Anfang der zwanziger Jahre die rapide Geldentwertung. Erst 1926/27 und erneut 1929 sowie 1931 konnten umfangreiche Sicherungsarbeiten durchgeführt werden. Diese Arbeiten hatten insgesamt 15 300 Reichsmark gekostet; davon musste der Verein etwa die Hälfte aufbringen. 1922 wurde auf der Niederburg das Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen Mitglieder errichtet.


Im Jahr 1924 beteiligte sich der Eifelverein an der Gründung eines „Bauvereins Kloster Himmerod" unter Vorsitz von Oberpräsident Dr. Fuchs, um die Zisterzienser beim Wiederaufbau der Klosterruine zu unterstützen.


Dem Rheinischen Verein für Heimatpflege und Denkmalschutz als der wichtigsten Organisation, die für die Erhaltung der Baudenkmäler und der Landschaft eintrat, war der Eifelverein bereits 1906 beigetreten.


Bereits seit 1901 gehörte der Eifelverein dem Verein der Altertumsfreunde der Rheinprovinz an, 1905 wurde er Mitglied im Bund Heimatschutz, seit 1909 gehörte er der Gesellschaft für nützliche Forschungen (Trier) an und seit 1914 dem Verein zur Erhaltung der Altertümer des Kreises Malmedy. Der Beitrag dieser Körperschaften und Vereine zur Erhaltung der Kulturdenkmäler war um so bedeutender, als sich der Staat seiner Fürsorgepflicht für die Denkmalpflege noch nicht in dem Maße annahm, wie dies heute der Fall ist.


Quelle: DIE  EIFEL 1888 bis 1988 - Zum 100jährigen Jubiläum des Eifelvereins, Der Eifelverein (Hrsg.)